Die reine Freude
Wer meinen letzten Blog über die Reise ins Gefühl gelesen hat, weiß, dass ich nicht versuche, dem Schmerz auszuweichen. Mein Ansatz besteht darin, jedes Gefühl zu fühlen und ihm auf den Grund zu gehen. Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen, sondern darum, zu fühlen.
In letzter Zeit bin ich meinem Schmerz, meiner Trauer und meiner Scham auf den Grund gegangen. Das war schmerzhaft, traurig und beschämend. Aber ich ging da durch.
Gestern durfte ich erleben, was das an Heilung ermöglicht.
Ich war auf einem Kirtan-Abend. Kirtan bedeutet, spirituelle Lieder gemeinsam zu singen und dazu zu tanzen. Das war die reine Freude.
Aber das Besondere war: Ich fühlte diese Freude, sie war rein und klar, und sie hatte einen festen Grund. Ich konnte richtig fühlen, wie diese Freude auf festem Grund aufsetzt, wo nichts mehr darunter war. Sie war keine Fassade. Darunter war kein Schmerz, keine Scham, keine Angst, kein Eiter, kein schwankender Grund, kein Matsch, kein schmieriger Glibber. Es war ein einfacher, fester Grund, und da war nichts außer Freude. Das war ein wunderschönes, sicheres Gefühl. Es gab mir Vertrauen und Gewissheit. Ich fühlte mich meiner selbst gewiss. Ich konnte diese Freude unvermischt und klar fühlen, ohne dieses vage Gefühl von Unsicherheit oder Beklemmung, das da ist, wenn die Freude aufgesetzt oder manipuliert ist. Wir kriegen das meist nicht bewusst mit, wenn wir die Freude herbei manipulieren, weil wir diese fixe Idee haben, dass wir uns immer gut fühlen müssen. Aber irgendwie fühlen wir dann doch, da stimmt was nicht. Es ist dann eine mit Schmerz, Trauer, Angst, Scham oder Wut vermischte Freude.
Die Arbeit mit meinen Gefühlen des Schmerzes, der Trauer, der Angst, der Wut und der Scham hat dazu geführt, dass diese Abgründe bereinigt sind. Es ist wie das Ausschaben einer eiternden Wunde, die gereinigt und desinfiziert wird und dann erst heilen kann. Dann erst kann der Schmerz abklingen und die Not wird gelindert. Wenn es dann heilt, bildet sich ein fester Grund. Dieser feste Grund bin ich. Das ist mein inneres Selbst, auf dem die reine Freude dann aufsetzen kann und sich entfalten kann. Dann fühle ich Sicherheit, Geborgenheit und mich selbst.
Die Freude hatte auch im kausalen Sinn einen Grund, weil in der Situation, im gemeinsamen Singen und Tanzen zu schöner Musik, da war die Freude auch begründet. Genauso wie zu anderen Zeiten der Schmerz begründet ist. Diese Gefühle manifestieren sich gemäß der Wirklichkeit, in der ich mich befinde, gemäß dem, was gerade passiert. Sie sind die Sprache, die mich mit der Wirklichkeit verbindet. Es war ein schöner Abend mit wunderbaren, lieben Menschen um mich herum. Wir lachten uns an und feierten. Es war so schön, diese Freude so rein und direkt zu erfahren, zu fühlen. Diese echten Gefühle sind keine Gefühle, dich ich mir mache. Sie sind entsprechend der jeweiligen Situation. Der Abend war ein Grund der Freude. Und zu anderen Zeiten hat man vielleicht einen Grund zu trauern. Dann ist eben Trauer angesagt. Diese Gefühle kommen und gehen. Es ist so schön, diese echten Gefühle fühlen zu können. Ich glaube, es ist deshalb so schön, weil ich dann echt bin. Dann bin ich ich.
Und mir ist klar, diese Freude konnte ich nur fühlen, weil ich zuvor meinen Schmerz gefühlt hatte. Es war eine Freude ohne etwas darunter, ohne Dreck unterm Teppich, ohne verheimlichte, geleugnete Gefühle darunter.
So lerne und verstehe ich zunehmend, dass es die Gefühle sind, die mich in die Genesung führen. Sie führen mich zu mir, und das ist das spirituelle Erwachen. Aufwachen bedeutet „zu sich kommen“. Und das ist so konkret zu verstehen, wie nur irgend möglich: Ich komme zu mir.
Dabei ist es egal, ob das, was ich da fühle, „gut“ oder „schlecht“ ist. Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen. Es geht darum, zu fühlen.
Anmerkung:
Der Abend war ein Konzert der Kirtaniyas (www.kirtaniyas.com), eine junge, aufstrebende Kirtan-Band, und fand am 14.01.2012 im Yoga-Zentrum „Lernen in Bewegung e.V.“ in Berlin statt.
Organisiert wurde er von der brillanten und liebenswürdigen Alexandra von Joyfulevents
Eine Reise in das Gefühl
Ich sitze in einem Gruppenraum mit dreizehn anderen Menschen auf dem Boden und gehe unter Führung der beiden Coach-Frauen in eine Meditation. Thema ist die Vision meiner Partnerschaft mit einer Frau, meine Liebesbeziehung. Meine Augen sind geschlossen, zunächst führt die Meditation in die körperliche Entspannung um sodann das Bild der Frau in der Vorstellung wachzurufen. Ich soll mir vorstellen, wie wir uns treffen, wie sie aussieht, riecht, was sie sagt, wie sie lacht. Wir kommen uns näher. Wir blicken uns in die Augen … Die geführte Meditation geht weiter, doch ich steige aus. Der Schmerz ist zu groß. Ich weine. Ich gehe in den Schmerz. Ich kann mir keine glückliche Beziehung vorstellen, weil meine große Liebe so unglücklich ist. Ich höre Worte der Meditationsleiterin. „Stellt Euch vor, Ihr seid beide alt und sitzt zusammen auf Eurem Lieblingssofa und schaut auf Euer Leben zurück. Feiert das gemeinsame Lebenswerk…“ Ich kann nicht. Es überwältigt mich, die Tränen, der Schmerz.

Dann werden wir aus der Meditation herausgeführt. Wir sollen nun ein Bild malen – von unserer Vision. Jemand gibt mir Wachsmalstifte und ein großes Malblatt. Ich sitze davor. Die anderen fangen an zu malen, eifrig, das Geräusch der malenden Stifte erfüllt den Raum. Ich weine und weine und weine. Der Schmerz ist so stark – und so schön. Ich bin ganz tief an meinem Gefühl. Es wird wieder schlimm. Ich kann nichts malen. Ich habe keine Vision. Nur Schmerz. Das Blatt ist leer. Ich denke: ich soll, will ein Bild malen. Ich sitze und kauere meinen Kopf in meinen Arm. Die Tränen. Es dauert ewig, dann versuche ich das Blatt zu nehmen. Es liegt vor mir. Ich warte. Nein, es geht nicht. Nach einer Weile habe ich mich einigermaßen beruhigt. Ich schaue mich um. Alle eifrig am Malen, vertieft. Ich berühre das Blatt mit meinen Fingern. Die Tränen brechen wieder aus. Der Schmerz ist wieder da. Ich kann nicht malen. Nach 20 Minuten werden die Stifte eingesammelt. Alle setzen sich in einen Kreis. Wir sollen unsere Bilder zeigen. Ich warte. Drei Leute teilen: gemeinsames Haus, gerne am Meer, Kinder, Sonnenschein, Freunde. Ich will nicht als letzter dran kommen und dann allen den Tag verderben. Es ist der Abschluss des zweitägigen Workshops, der Höhepunkt. Also ergreife ich das Wort und zeige mein leeres Blatt. Ich zeige mich, mit meinem Schmerz und meiner fehlenden Vision. Es ist so traurig. Ich erkläre nicht viel, nur dass es der Schmerz über meine unglückliche Liebe ist. Einen Moment gibt es, da möchte ich laut rausweinen, das Gefühl ist da und ergreift die anderen. Sie spüren es auch. Doch ich nehme mich zurück. Mache es kurz. Die nächste Person kommt dran. Die anderen teilen. Der Workshop geht zu Ende. Zwei Frauen geben mir Rückmeldung: das sei sehr mutig gewesen.
Sie fuhren noch mit mir in der U-Bahn Richtung nach Hause. Wir reden noch darüber und zum Abschied drücken sie mich ganz herzlich. Wir waren in Kontakt, in echter Verbindung, tief, ehrlich, gefühlt. Es war für mich ein sehr intensiver Prozess auch nach dem Workshop, ich habe viel geweint und Schmerz gefühlt. Ich war noch den ganzen Sonntagabend und den Montagvormittag „entrückt“, ganz tief im Gefühl. Erst am Montagnachmittag war ich wieder im Alltagsbewusstsein und konnte ins Büro gehen. Da ging es mir dann sehr gut, ich war energetisch und kreativ.
Ich glaube, in diesem Tiefenprozess wurde viel geheilt. Heute, am Freitag, spüre ich so viele Gefühle: Freude, ausgelassene Lust, aber auch Widerwillen, wenn mir etwas nicht gefällt.

Am Donnerstagmorgen hatte ich noch eine emotionale Tiefenerfahrung. Ich war in einer Aqua-Wellness-Behandlung im Liquidrom, Berlin, mit einer Körpertherapeutin. Das ging auch nochmal tief. An dem Wochenende waren am ersten Tag die Eltern das Thema. Ich hatte viele Anklagen gegen meine Mutter, die mich emotional nicht richtig behandelt hat. Ich sah aber in diesem zweiten Prozess, dass viel von dem Schmerz mit meiner Oma zu tun hat, die uns tagsüber betreut hat, weil meine Mutter immer im Laden war. Und jetzt fühle ich weniger Wut und mehr Liebe für meine Mutter.
Ich hatte auch einen Kontakt mit meiner höheren Macht (Göttin) und spürte eine Riesenangst, dass ich verloren bin, wenn ich mich ihr hingebe. Weil ich ja nicht weiß, wie diese Beziehung ist. Gleichzeitig spürte ich, dass es die primäre Beziehung ist, es war so eine Art Sehnen und eine Anrufung, die ganz aus meinem Gefühl kam, spontan und total emotional. Und ich erkannte, dass mir diese Beziehung zu Göttin-Gott meine ganzen Schatten zeigen kann und in der Hinbewegung zu Göttin-Gott diese Schatten verarbeitet werden. Das war auf dieser tiefen-emotionalen Ebene ganz klar. Und ich konnte diese Angst deutlich spüren. Wenn Menschen Gott ablehnen, dann ist das keine moralische Schwäche oder Bosheit, sondern die nackte Angst. Diese Angst ist natürlich die Angst vor dem real erfahrenen Verlassenwordensein in der Kindheit.
Die Frau begleitete mich sehr liebevoll und wir waren ca. 1,5 Std. im Wasser und immer in körperlicher Berührung. Es war so eine Art Floaten, die meiste Zeit lag ich auf dem Rücken, auf Schwimmhilfen, und sie bewegte mich. Manchmal rollte sie mich wie ein Baby ein. Meine Augen waren geschlossen, das (Salz-) Wasser hatte 36°, unter Wasser wurde schöne indische Musik eingespielt. Als es dann darum ging, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und aus dieser Geborgenheit herauszugehen, spürte ich auch nochmal ganz viel Schmerz. Mir wurde klar, dass ich in der frühen Kindheit ausgesetzt wurde, bevor ich selbst dazu bereit war. Da war also die Unterbrechung. Ich hatte großen Schmerz und auch etwas Angst, die Stange am Beckenrand zu ergreifen und mich da alleine festzuhalten. Es dauerte lange, ich musste nochmal viel weinen. Ich wartete auf das Gefühl, jetzt alleine sein zu wollen. Ich überließ meinem Körper die Führung. Es dauerte lange, bis meine Hände wirklich die Stange festhielten und noch viel länger, bis meine Beine mitspielten. Mein Erwachsenen-Ich beobachtete das alles innerlich und ich wusste kognitiv, dass ich ja nicht ewig in dieser schützenden Geborgenheit mit der anderen Person bleiben konnte. Aber ich ließ den emotionalen Prozess zu und nahm mir alle Zeit, die ich brauchte, und so kam es zu einem von mir gefühlten Abschluss der Ablösungsbewegung. Die Therapeutin war bis zum Schluss bei mir und in Berührung. In der Nachbesprechung sprach sie selbst davon, dass dieser Übergang die heikelste Situation ist.
Meine Interpretation: Wenn in der Kindheit diese Trennung zu früh erfolgt, zerstört das die innere Ganzheit, weil es eigentlich eine Bewegung zu mir hin ist, die freiwillig erfolgen muss, dann wenn ich bereit dazu bin, also den Mut und das Selbstvertrauen dazu habe. Wenn dieser Übergang klappt, ist alles gut. Es ist eigentlich auch ganz einfach. Die Eltern müssen einfach lange genug da bleiben, bis das Kind sich von selbst ablöst. Wenn das einmal gut gegangen ist, ist es das nächste Mal schon ganz leicht und geht schnell. Wenn es aber schief gegangen ist, bleibt da erstmal ein Bruch, und den zu heilen ist in etwa so schwer wie ein zerbrochenes Glas zu flicken. Es wird immer eine Sollbruchstelle haben und auch nicht mehr schön aussehen. Es ist nicht mehr ganz. Gleichwohl glaube ich, dass bei mir eine Ganzwerdung möglich ist, ich bin ja schließlich kein Glas!
Was auch noch sehr bemerkenswert, aber am Anfang gar nicht schön war: der emotionale Kontakt zu der mich behandelnden Person. Am Anfang war ich noch verspannt und fühlte mich sehr getrennt. Ich fand, dass mich der Kontakt nicht befriedigte. Sie berührte mich zwar und hielt mich im Wasser, aber ich konnte sie nicht berühren. Ich hatte auch Gedanken, dass ich eher eine sexuelle Befriedigung bräuchte. Dabei hatte ich aber auch viele schmerzhafte Gefühle des Verlassenseins und der Einsamkeit. Ich weinte wieder und ließ die Gefühle zu, so gut ich konnte. Erst in der zweiten Hälfte der Zeit entstand dann echte Nähe, die aber rein sensuell und nicht sexuell war. Das Vertrauen und die gewachsene Intimität gaben es jetzt her, dass wir uns gegenseitig berührten, indem sie mich hielt und ich meinen Arm um sie legte oder meinen Kopf anlehnte. Das fühlte sich echt an, in Kontakt. Es geht um innere, seelische, emotionale Nähe, um gefühlte Verbindung. Die sexuellen Wunschgedanken waren verschwunden. Sie waren tatsächlich süchtige Motive, um den Schmerz der Getrenntheit zuzudecken, also um nichts zu fühlen. Auch hier ist wieder etwas geheilt, indem ich die echten aufrichtigen Gefühle des Schmerzes zugelassen habe.
Ich hatte dann heute im Email-Kontakt mit einer attraktiven Freundin keine übergriffigen sexuellen Phantasien. Stattdessen konnte ich sie in ihrer Ganzheit und persönlichen Eigenständigkeit respektieren und fühlen. Es gab kein lüsternes Verlangen.
Ich finde es total schön, diese Gefühle durchleben zu können und darin zu heilen, meinen kleinen Ronald in den Arm zu nehmen und mir selbst ein Vater zu werden. Ich glaube fest daran, dass diese alten Gefühle nur einmal gefühlt werden wollen und wenn das ganz und gründlich geschehen ist, lassen sie uns für immer in Frieden und wir sind wieder heil.
Die neue Tattva Viveka ist lieferbar (Nr. 49)
So, die Tattva ist jetzt erschienen, auf der Homepage eingepflegt und ab sofort in Papierform und auch als eMagazin lieferbar, sowie die einzelnen Artikel als ePaper im pdf-Format. Kostet aber was
••• INHALT: Quantenphysik und Bewusstsein + Wahrheit und Sektentum + Das Ego der Religionen + Das aperspektivische Zeitalter + Wahrheit und Wirklichkeit + Ahnengeister + Nahtoderfahrungen + Der Andere in mir + und noch mehr.
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Mein persönliches Mission Statement
Es ist meine Mission, meine Macht und Zufriedenheit in der Spiritualität zu offenbaren, zu verbinden und darüber zu schreiben.
So, here we go.
Das Thema Macht ist umstritten. Macht ist eine spirituelle Kraft, die oft, allzu oft missbraucht wurde. In diesem Sinne habe ich Macht immer abgelehnt. Ich habe gegen die Machthaber rebelliert und gekämpft. Ich sympathisierte mit dem Anarchismus. Ich war linksradikal, gegen den Staat, gegen das Kapital. Ich sah im Staat (mein anarchistischer Anteil) und im Kapital (mein kommunistischer Anteil) den Grund allen Übels. Ich war politisch aktiv, bis hin zur Unterstützung der RAF. Wir machten militante Aktionen wie z.B. Sprühaktionen, Hausbesetzungen, vermummte Demonstrationen. Wir planten Anschläge, aber zum Glück führten wir sie nicht aus.
Diese Ablehnung von Macht als Ganzem führte indes zu psychologischen Fehlhaltungen, die in meinem Leben Probleme verursachten. Die Coach-Frau, die mit mir vor wenigen Tagen das obige Mission Statement erarbeitet hat, sprach von mir als einem Mann, der nun sichtbar wird. Ein sichtbar werdender Mann – ist das nicht schön?
Was bedeutet das? Da ich Macht ablehnte und statt dessen politisch korrekte Ansichten wie Gleichberechtigung, Pluralität, Toleranz und Liebe pflegte, habe ich mich versteckt. Nicht dass Liebe und Gleichberechtigung falsch wären. Es wird nur einseitig betont. Wenn Liebe zum Gegenteil von Macht wird und Liebe gut und Macht schlecht ist, dann sind wir in der ideologischen Sichtweise gelandet, wo es keine Wahrheit und kein Leben mehr gibt. Ich versteckte mich, da ich Macht als etwas Sündiges, Böses verstand und auf keinen Fall böse sein wollte. Ich versteckte mich aber auch, weil ich Angst hatte, mich zu zeigen. Angst davor, zu mir zu stehen und mich selbst anzunehmen, in meiner Kraft und Macht und Souveränität. Ich machte mich klein. Ich lebte nicht wirklich.
So was ist eine leidvolle Situation. Für mich und für die anderen. Es führt nur zu Zerstörung und Einsamkeit. Das, was mich ausmacht, konnte ich nicht sehen und nicht zeigen. Ich konnte mich nicht leben, ich konnte nicht sein. Die anderen konnten mich nicht sehen und fühlen. Bis zu einem gewissen Grade natürlich schon, das alles ist nicht absolut und schwarz-weiß. Aber es fehlte die „letzte Meile“, die letzten paar Meter, um zu einem echten Kontakt, einer echten Verbindung zu kommen. So war ich nicht richtig greifbar und fühlbar. Vielleicht vollzieht sich das immer in Annäherungen, vielleicht können wir nie einen absoluten, vollkommenen Zustand erreichen. Vielleicht geht diese Entwicklung immer weiter. Ich selbst bin eine innere Transzendenz, die in die Unendlichkeit flieht. Aber wir müssen uns auch nicht ganz und vollkommen erreichen, wir müssen nur das tun, was wir tun können. Den Rest tut Gott. Das ist Gnade.
Als sichtbar werdender Mann werde ich zum Mann. Mann ist gut. Macht ist gut. Als richtiger Mann habe ich Macht. Es gilt, die Macht aus dem mythischen Missbrauch zu befreien, sie zu erlösen und wieder in ihre ursprüngliche gute Weise zu bringen. Natürlich wurde die Macht missbraucht. Sie wurde missbraucht, weil sie wirkt. Es sind die besten Kategorien, die missbraucht werden. Etwas Wirkungsloses interessiert keinen, es kann weder positiv noch negativ gebraucht werden. Es geht heute darum, diese alten ewigen Kategorien wieder in ihre ursprüngliche heile Form einzusetzen. Durch lautere, edle Menschen. Es geht kein Weg daran vorbei: der Mensch ist das Maß aller Dinge. Wir nehmen wahr und erkennen, wir öffnen und schließen, im Sinnen von offenbaren und schlussfolgern. Es sind die Menschen selbst, die bestimmen. Gott gibt uns natürlich die Führung und Orientierung – wenn wir sie wollen und annehmen. Es ist ein ko-kreativer Prozess.
Ein wertfreie Definition von Macht: Wieviel Ergebnis kann ich sichtbar erbringen?
Es geht um Handlungsfähigkeit, um Realisierung, um Zielstrebigkeit. Das sind wahrscheinlich keine nur männlichen Eigenschaften. Sie wurden im Laufe des Patriarchats von dem Männern besetzt. Im Zuge der Emanzipation, zu der ich mich hinzuzähle, wurde die Macht mitsamt den Männern in Abrede gestellt. Insofern ist es für mich als Mann wesentlich, die Beziehung zwischen Mannsein und Macht anzuschauen.
Macht bedeutet auch Definition. Ich habe die Macht, zu definieren, was mein Ding ist, was ich richtig und falsch finde, was was ist. Auch diese Macht haben wir als Menschen. Wir können sie nicht umgehen. Bisher wurden die Definitionen von Mächtigen gegeben und das Volk folgte. Es war eine Auslagerung der Urteilskraft auf äußere Beziehungen, wie Religion, Politik, Medizin. Es ging nicht anders, da viele Menschen nicht genug Wissen hatten, um die Definitionsmacht an sich nehmen zu können.
Macht hat einen Bezug zu Gewalt. Definitionsmacht ist gleich Definitionsgewalt, zum Beispiel. Wie kann ich Macht ausüben, ohne Gewalt auszuüben? Das ist machbar, denke ich. Ist Gewalt überhaupt schlecht? In der wertfreien Sicht wohl kaum. Was wäre denn die reine Form von Gewalt? Walter Benjamin hat darüber geschrieben und das klar gestellt. Man kann das dort nachlesen.
Was ist die schlechte Form von Gewalt? Sicherlich die, die meinen egoistischen Interessen entspringt, wo der Andere nicht mehr als souveränes Wesen erkannt wird.
Wie kann ich als Mann in meine Macht kommen und dabei zum Wohle des Ganzen wirken? Ich habe Macht, das ist einfach so. Wenn ich sie nicht annehme, werde ich unsichtbar, ungreifbar.
Es gibt eine reine Macht. Eine Macht, die aufbaut und schöpft, die Schönheit in die Welt bringt, die Leben ermöglicht und beschützt. Es ist die Macht des Wissens und des Tuns. Es ist innerer Halt, innere Stärke, Eigenständigkeit. Es sind Werke, die ich hinterlasse. Macht ist Bestimmung, Richtungsweisung, der Fels in der Brandung. Das ist das Männliche an der Macht. Die Frau ist weich und fließend. Der Mann ist hart und standhaft. Wenn er die Macht für das Leben einsetzt, gibt er Richtung und Stabilität. Nur so kann sich die Liebe und Fülle der Frau offenbaren. Macht bedeutet auch, ich zu sein, etwas zu sein. Eine Soheit: ich bin so. Also Selbsterkenntnis und Position. Macht bedeutet auch, Subjekt zu sein und meine Einzigartigkeit zu leben. Ich definiere mein Leben, mein Menschsein und mein Mannsein. Das ist Männlichkeit: ich bestimme selbst, wer ich bin und was ich tue.
Als sichtbarer Mann zeige ich meine Macht und setze sie gesund ein. Ich gehe in meine Macht und werde dadurch zufrieden.
Hier habe ich das Coaching gemacht: www.coaching-spirale.de
Besucht auch die Homepage meiner Zeitschrift Tattva Viveka: www.tattva.de
Editorial zu Tattva Viveka 49
Liebe Leserinnen und Leser
ich möchte heute an dieser Stelle mal eine Lanze für die Wissenschaft brechen. Im Vorfeld zu dieser Ausgabe, im Verlauf der redaktionelle Arbeit zu dem Thema »Quantenphysik und Bewusstsein«, unterhielt ich mich hier und da mit Leuten aus dem spirituellen Umfeld und erzählte ihnen fasziniert von den Erkenntnisse der Quantenphysiker, die die Aussagen der spirituellen Traditionen und die Erfahrungen der spirituellen Praktiker bestätigen. Manchmal kam eine verständnislose Reaktion ob meiner Begeisterung, so nach dem Motto »Ist doch eh klar, dass alles Bewusstsein ist.« Was sei daran schon besonderes, wenn die Physiker nun mit mühseligen kleinsten Schritten endlich etwas beweisen, was jeder Esoteriker schon längst weiß. Wozu diese kleinen Schritte, wenn wir das doch im großen Wurf schon längst weit hinter uns gelassen haben? Daraus klingt dann auch eine leichter Unterton von Arroganz gegen diese unwissenden Wissenschaftler hervor, die noch in der materiellen Umnachtung gefangen sind.
Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen diesen beiden Formen des Wissens. Ich möchte zu bedenken geben, dass viele Menschen in den esoterisch-spirituellen Kreisen keine wissenschaftliche Ausbildung haben und demzufolge über etwas urteilen, was sie nicht kennen. Wissenschaft als überflüssig abzutun, ohne zu wissen, was es überhaupt ist, ist wenig überzeugend, finde ich. Da ich selbst eine wissenschaftliche Ausbildung an der Universität erhalten habe, weiß ich zumindest, was wissenschaftliches Arbeiten und Erkennen bedeutet. Ich möchte einfach nur bemerken, dass Wissenschaft ein Erkenntnisinstrument ist, das nach bestimmten Gesetzen funktioniert, die man im weitestens Sinne als die Gesetze des Denkens beschreiben kann. Wissenschaft bemüht sich um gesichertes Wissen, das von Glauben und Fürwahrhalten unterschieden wird. Wie kann ich als Mensch zu Erkenntnis und Wissen gelangen? Woher weiß ich, dass meine Erkenntnis richtig ist? Wissenschaft unterscheidet zum Beispiel streng zwischen Hypothese und Argument. Als Wissenschaftler muss ich eine Hypothese aufstellen, weil es nicht anders geht, weil so das Forschen funktioniert. Aber ich muss diese Hypothese als solche klar zu erkennen geben. Dann muss ich Argumente oder Beweise finden, die meine Hypothese belegen. Unwissenschaftliche Denkweisen vermischen öfters Hypothese und Argument. Man stellt eine Hypothese auf, z.B. »Bewusstsein bestimmt Materie«, und nimmt das in der Argumentation gleich als Beweis oder Argument. Hier wird dann Erkenntnis und Behauptung vermischt und nicht klar unterschieden. So bleiben die Aussagen im Bereich des Glaubens, und sind somit nicht bewiesen und sehr leicht angreifbar. Wir kommen so nicht aus dem Bereich der Beliebigkeit heraus.
Wissenschaft hat also eine bestimmte Arbeitsweise, in der Hypothesen echte Hypothesen, und Beweise echte Beweise sind. Wenn ein Wissenschaftler seine Hypothese nicht beweisen kann, gibt er sie ohne Zögern auf. Er identifiziert sich nicht mit einem Glauben. Somit ist er gegen Dogmatismus gefeit und vermag, objektive Erkenntnis zu erzielen, d.h. Erkenntnis, die keiner persönlichen Absicht untersteht. Gerade die wissenschaftliche Arbeitsweise ist somit Garant für das Finden von Wahrheit. Da Wahrheit genuin das Feld der Spiritualität betrifft, treffen sich hier Wissenschaft und Spiritualität in der innersten Essenz dessen, was den Menschen betrifft. Deshalb ist es ein Unterschied, ob die Wissenschaft das Bewusstsein beweist, oder ob wir einfach nur daran glauben.
Woher kommt das Recht?
Die Rede des Papstes vor dem Bundestag
Woher wissen wir, was gut und was böse ist? Wie setzen wir das Recht?
Rechtsphilosophie halte ich für eines der spannendsten Themen im Bereich Menschheit. Sie verschränkt die höchsten spirituellen Prinzipien mit dem existentiellen irdischen Leben. Wie können wir Gerechtigkeit erfahren? Wie regeln wir den gesellschaftlichen Umgang der Menschen untereinander?
In früheren Zeiten wurde das Recht von der Religion abgeleitet. Heutzutage ist dieser Bezugspunkt nicht mehr gebräuchlich und es stellt sich die Frage: Woher leiten wir jetzt das Recht ab?
Papst Benedikt hat dazu eine kurze, aber ungemein dichte Rede gehalten, die den Dingen auf den Grund geht und die Unreduzierbarkeit einer Anbindung ans Spirituelle auf ziemlich elegante und geschickte Art und Weise argumentiert.
Er leitete seine Rede mit einem schönen Beispiel ein. König Salomon wurde bei seiner Thronbesteigung von Gott eine Bitte freigestellt. Was erbat sich Salomon? Kein Geld, kein Erfolg, keine Macht. Er bat um ein „hörendes Herz“, damit er sein Volk regieren und Gut von Böse unterscheiden könne.
Der Papst argumentiert, dass es die Aufgabe des Politikers sei, nicht nach Erfolg oder materiellem Gewinn zu streben, sondern „dem Recht zu dienen“. Doch woher wissen wir, was Recht ist. Meist reiche die Mehrheit aus, aber es gäbe auch „Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit“ geht. Zu Recht weist der Papst auf ein Beispiel hin, wo in einem Unrechtsstaat der Widerstand zur Pflicht wird (Origenes, 3. Jh. n. Chr. über den Widerstand der Christen gegen die Skyten), und stellt auch die Widerstandskämper im Naziregime in diese Reihe. Hier greift das Recht der Mehrheit nicht mehr.
Die Quelle bei Origenes spricht vom „Gesetz der Wahrheit“. Aber was das sei, liege nicht so einfach zu Tage und sei nicht evident. Gerade in heutiger Zeit seien „die grundlegenden anthropologischen Fragen“ keineswegs geklärt. Es verliere sich vielmehr der geistige Bezug, da die moderne Philosophie und Wissenschaft rein positivistisch ausgerichtet sei. Positivismus besagt, dass nur das Funktionale und Messbare wirklich existiert. Man hält sich an das materiell Gegebene, das was in wissenschaftlichen Untersuchungen – im Prinzip in Messungen – einen positiven Befund zeigt, also „vorhanden“ ist. Positiv meint hier nicht das wertende „gut“, sondern das bloße Vorhandensein, vgl. „HIV positiv“. HIV-positiv bedeutet nicht, dass HIV gut ist, sondern dass jemand das Virus hat. Von einer lebensförderlichen Ethik her betrachtet ist „HIV positiv“ schlecht und „HIV negativ“ ist gut, weil HIV eine tödliche Krankheit ist und es gut ist, wenn man diese Krankheit nicht hat. In diesem Fall ist auch Zerstörung gut, nämlich dann wenn die Viren zerstört werden.
Zurück zur Papst-Rede. Früher sei das Recht in der Regel religiös auf göttliche Offenbarung begründet gewesen. Das Christentum habe auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen, „auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.“ Die christlichen Theologen hätten sich „gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt.“ Benedikt führt mit diesem Passus die Kategorie des „Gewissens“ ein. Leider wird für mein Verständnis nicht klar, wie er dazu kommt (vielleicht ist das einfach der Kürze des Traktats geschuldet). Das Gewissen sei das hörende Herz Salomons, „die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft“. Das Gewissen ist also die menschliche Stimme der Vernunft. Dieses Gewissen hätte uns auch durch die Zeit der Aufklärung, der Erklärung der Menschenrechte und der Gestaltung unseres Grundgesetzes getragen. Mittlerweile sei jedoch eine dramatisch veränderte Situation eingetreten.
Durch den Siegeszug des Positivismus sei der Bezug des Seins zum Sollen verloren gegangen. Es zählt nur noch, was ist, und dieses werde durch funktionale – ich möchte ergänzen: mechanistische – Bezüge erklärt. Vor diesem Hintergrund wurden Ethos und Religion in die subjektive Sphäre verwiesen. Sie sind nicht mehr objektiv bestimmbar. Wir kennen das: ,Anything goes‘. „Da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt“, so der Papst, und: „Dies ist eine dramatische Situation (…)“.
Das führe in die Kulturlosigkeit und fordere zugleich extremistische und radikale Reaktionen heraus – ein wichtiger Punkt, finde ich. Wir schüfen fensterlose Betonbauten, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, ohne Fenster in die weite Welt Gottes. Obwohl wir doch nach wie vor von Gottes Vorräten schöpften!
Der Papst weist darauf hin, dass der Mensch sich nicht selbst gemacht hat. Das ist wichtig! Wir Menschen neigen dazu, uns in einem Ausschnitt der Realität einzurichten, indem wir uns selbst als gegeben voraussetzen, und vergessen dabei, dass auch dies eine Wahrheit ist: wir machen uns nicht selbst. Woher kommen wir also?
Spannenderweise zieht Benedikt ausgerechnet die ökologische Bewegung als Fürsprecherin für seine transzendentale Position heran. Jungen Menschen sei bewusst geworden, „dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.“ Es gehe darum, „auf die Sprache der Natur zu hören“, und es gäbe auch eine „Ökologie des Menschen“. Auch der Mensch habe eine Natur, die er achten müsse und nicht einfach manipulieren könne. Der Mensch habe sich nicht selbst gemacht. Die Natur weise eine objektive Vernunft auf und Normen, die rechtsphilosophisch nur aus dem Willen kommen können. Also müsse es in der Natur einen Willen geben, was ein intelligentes Wesen, einen „Creator Spiritus“, also einen Schöpfergott, voraussetze.
Papst Benedikt ist schlau genug, an dieser Stelle nicht einfach nur auf die Religion zurück zu lenken. Er beruft sich auf das europäische Erbe aus dem Dreigestirn Jerusalem, Athen und Rom – der Gottglauben Israels, die philosophische Vernunft der Griechen und das Rechtsdenken der Römer. Indes – von der Überzeugung eines Schöpfergottes her sei die Idee der Menschenrechte entwickelt worden, die Gleichheit der Menschen, die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Verantwortung des Menschen für sein Handeln.
Dies sind ohne Zweifel die Größen, um die sich ethische Fragen drehen. In der „Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen“ werden die Maßstäbe des Rechts gesetzt. Damit kehrt Benedikt zu der religiös begründeten Ethik zurück und kombiniert sie mit dem humanistischen Axiom der Menschenwürde, die rechtsphilosophisch gesehen meiner Meinung nach auch ohne Gott gedacht werden kann.
Benedikt endet mit der Bitte Salomons und empfiehlt den Politikern im Bundestag, um das hörende Herz zu bitten, „die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.“
Es ist schon ergreifend für mich, dass eine solche tiefe rechtsphilosophische Fragestellung vor den pragmatischen Alltagspolitikern präsentiert wurde, und noch dazu von einer anerkannten Autorität. Die Politiker ergehen sich ja in der Regel nur in demagogischen Ego-Kämpfen, in ideologischen Reden und in Sachfragen. Das ist in gewissen Sinne auch ihre Aufgabe. Dennoch stellen sich diese grundlegenden Fragen, und nur allzu selten werden sie behandelt.
Die Notwendigkeit eines transzendenten Pols, also einer wie immer religiösen oder spirituellen Ausrichtung auf eine Höhere Macht, einen Schöpfer, Göttin-Gott, Großen Geist oder wie auch immer, bringt der menschlichen Erkenntnis eine dritte Dimension, gleichsam eine vertikale Achse. Eine Instanz über den Menschen schützt sie vor der Hybris, unantastbare Schöpfer zu sein, ganz oben an der Spitze zu stehen und allmächtig zu sein. Wir sind „nicht selbst gemacht“, wie Benedikt voll und ganz realistisch bedenkt. Demzufolge stehen wir nicht ganz oben und sind nicht allmächtig. Das gibt Demut und in der Tat sogar Erkenntnis der Realität, wie sie ist. Das daraus sogar die Verantwortung des Menschen für sein Handeln folgt, ist eines der Mysterien des echten Glaubens. Gott hat uns geschaffen. Wir sind gewollt. Der Mensch, der diese Schöpfung zerstört, weist Gott zurück. Wir haben diese Fähigkeit, Gott zurückzuweisen. Und genau daraus ergibt sich die unreduzierbare Verantwortlichkeit für unser Handeln trotz und gerade wegen Gott. Nicht blinder Glaube also, im Sinne eines kindlichen Gottesglaubens, der jede eigene Verantwortung leugnet, ist hier angezeigt, sondern die große Synthese aus Gott und der Welt. Wir Menschen können zwar die Schöpfung manipulieren und zerstören, aber wir können das nicht schöpfen, was Gott geschaffen hat. Noch keinem Wissenschaftler ist es gelungen, einen Grashalm zu erzeugen, ganz zu schweigen von einer Ameise oder anderem. Wir modulieren und manipulieren das Gegebene. Mehr können wir nicht. Wir können Gott zurückweisen und uns an seine Stelle setzen. Aber das ist nur eine Verkennung der Realität.
In der Anerkennung Gottes oder einer göttlichen Kraft enthüllt sich uns die Ethik und die Unterscheidung von Gut und Böse. Nicht als Normenkatalog, den es unter Androhung von Strafe zu befolgen gälte, sondern als inneres Wissen, als Ge-Wissen, das aus der rechten Einordnung des Menschen in die Schöpfung resultiert. Insofern ist wahres Recht das Gesetz der Wahrheit, dessen, was wahr ist, was tatsächlich ist. Nur in der Anwendung des wahren Bezugssystems fühlen wir die Stimmigkeit, den Kammerton A des Herzens. Es funktioniert. Dieses Bezugssystem ist keine Schöpfung des Menschen und unterliegt nicht seiner Entscheidung. Wir können es indes erkennen. Dann fällt alles an seinen rechten Platz und es offenbart sich alles, wie die Sonne am Tag alles erleuchtet.
Die Rede des Papstes als Video in der Mediathek des Bundestages.
Alice Miller: das Drama des begabten Kindes
Das bekannteste Buch von Alice Miller als Hörbuch. Congenial gesprochen von Sabine Wandjo, einer Kennerin von Millers Werk. Hier erfährt man nochmal eine tiefere Bedeutung, wenn man das Buch schon gelesen hat.
http://onlywire.com/r/51020167
Brene Brown: The power of vulnerability | Video on TED.com
Brene Brown: The power of vulnerability | Video on TED.com.
Das Wichtigste aus dem Inhalt:
Verbindung ist das, worum es geht. Scham ist die Angst vor Nichtverbundensein. Die Angst, dass ich der Verbindung nicht würdig bin.
Es geht um ein Gefühl, es wert zu sein, um Würdigkeit.
Menschen, die ein starkes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben, glauben, dass sie diese Liebe und Zugehörigkeit wert sind.
Menschen mit gutem Selbstwert haben Courage. Das Wort kommt von dem lateinische „cor“, was Herz bedeutet. Sie leben von ganzem Herzen und haben das Herz, sich so zu zeigen, wie sie sind. Sie haben die Courage, unvollkommen zu sein. Aufgrund ihrer Authentizität sind sie in der Lage, die Vorstellung loszulassen, wer sie sein sollten, um die zu sein, die sie sind. Sie nehmen auch ihre Verletztlichkeit voll und ganz an. Sie glauben, dass das, was sie verletztlich macht, sie auch schön macht. Verletztlichkeit ist die Bereitschaft, als erster zu sagen „Ich liebe dich.“ und Dinge zu tun, bei denen es keine Garantien gibt.
Wie würdest du Verletztlichkeit definieren? Was macht dich verletzlich?
Man kann Emotionen nicht selektiv betäuben. Wenn wir Schmerz, Verletztlichkeit, Trauer, Scham, Angst, Enttäuschung betäuben, dann betäuben wir auch Freude, Dankbarkeit, Glücklichsein.
Es ist nicht immer Sucht, warum wir uns betäuben. Es ist auch der Versuch, Gewissheit herzustellen. Wir wollen Recht haben. Schuld ist eine Methode, um Schmerz und Unbehagen zu entladen. Wir wollen perfektionieren.
Die Aufgabe gegenüber unseren Kindern ist nicht, sie perfekt zu halten, sondern ihnen zu sagen: „Du bist unvollkommen, und du bist als Mensch dazu prädestiniert, Probleme zu haben. Aber du bist es wert geliebt zu werden und dazuzugehören.“
Der Weg ist, zuzulassen, dass wir tief gesehen werden, in unserer Verletztlichkeit. Und mit unserem ganzen Herzen zu lieben, auch wenn es keine Garantie gibt. Und daran zu glauben, dass wir genug sind.
Beeindruckend 2
Diesmal mit richtigem Link – hoffe ich…
http://www.youtube.com/watch?v=nGeXdv-uPaw&feature=autoshare
Warum man sich an Leid erinnert und Glück vergisst
Die Erinnerung ist immer etwas Abgeschlossenes, Festgestelltes. Vergangenes Unrecht ist geschehen und abgeschlossen. Es besteht hier eine Beziehung zwischen dem Abgeschlossenen der Vergangenheit und dem geschehenen Leid. Das Leid wird durch seinen Abschluss bestätigt.
Glück und Freude jedoch werden nicht durch einen Abschluss besiegelt, sondern tendieren zum ewigen Weitergehen. Ein Ende des Glücks widerspricht dem Wesen des Glücks. Insofern ist es nichts Abgeschlossenes und kann somit auch keine Erinnerung sein. Das Glück verhält sich anders zur Zeit, denn sein positiver Charakter wird durch die Vergänglichkeit weitgehend negiert.
(inspiriert durch Max Horkheimer und Walter Benjamin in: Walter Benjamin: Das Passagenwerk, Gesammelte Werke Band 5, S. 589)





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