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Annahme und bei mir ankommen


Kurzbeschreibung:
In der Annahme der ungeliebten Gefühle wie Schmerz, Angst und Wut kommen wir in den Heilungsprozess. Die Vermeidung von Schmerz durch äußere Mittel ist nur zeitweilig und erzeugt weitere Konflikte. Die Lösung liegt im Innen, in unserem emotionalen und spirituellen Selbst. In der Annahme des Schmerzes erkennen wir, dass er ein Teil unseres Selbst ist. In der Ablehnung des Schmerzes verursachen wir Abspaltungen von Teilen unseres Selbst.

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»Die Seele ruht in sich, alles ist gut, es gibt nichts zu tun.«

Diese Erfahrung hatte ich mal in einer Meditation.

In der Bhagavad-gita steht: »Die Seele tut nichts und wird auch nicht verstrickt.«
Mit dem Tun ist das Tun im Außen gemeint.

Meine Meditationserfahrung hatte ich in einer konkreten meditativen Übung, die darin bestand, auf dem Sofa zu liegen und mich nicht zu bewegen, egal, was mich dazu verleiten könnten, ein Zwicken, Jucken, Wimpernschlag o.ä.

Nach etwa 30 Minuten der völligen Bewegungslosigkeit kam ich in diesen Zustand. Ich ruhte in mir. Es war wunderschön und es hätte ewig so weitergehen können. Es gab nichts mehr im Außen, was ich hätte haben wollen, keine Bewegung, keinen Stoff, kein Geld, kein Kaufen, keinen Ruhm oder Ehre, niemanden, der mir die Füße küsst oder mich schlägt, keinen Sex oder Zuwendung. Alles war gut. Es gab nichts zu tun. Es war nichts zu tun. Einfach sein.

Wir haben so ein Zentrum in uns, einen Ort, eine Kraft. DAS sind wir selbst. Und dieses Selbst ist der Ursprung des unbedingten und zeitlosen Glücks. Ja, ich kann es kaum glauben. Da ist was in mir, dass einfach glücklich und erfüllt ist. Manche nennen es auch Liebe, denn es ist eine Art Liebe. Aber es ist auch Frieden, Einfach Sein, Fülle, Glück, Stille. Tatsächlich, das gibt es. Und man kann es auch außerhalb der Medition erleben. Sehr wahrscheinlich sogar dauerhaft in jeder Faser des Lebens.

Wie komme ich da hin?

Meine Erfahrung:
Indem ich den Schmerz aushalte, vor allem den seelischen Schmerz. Ich habe Schmerz, natürlich. Irgendwo und irgendwann wurde ich verletzt. Als kleines Kind schon, vielleicht schon Jahre vor meiner Geburt, wenn sich Schicksalsschläge bei meinen Eltern in ihren Gefühlen festsetzten und ihr Leben, ihre Einstellung und Herangehensweise prägten. Dieser Schmerz gehört zu mir, er ist ein Teil von mir. Indem ich ihn annehme, d.h. zulasse und umarme, kann ich diesen Teil von mir annehmen, also mich selbst annehmen. Dann geschieht eine Bewältigung dieser Schmerzen, ein Verarbeiten, das im Innern stattfindet. Und das macht mich ganz.

Wir versuchen aber immer, den Schmerz zu beseitigen, indem wir im Außen eine Befriedigung suchen. Zum Beispiel haben wir die Erfahrung gemacht: Immer dann, wenn ich Alkohol trinke, geht der Schmerz weg und ich fühle mich besser. Toll. Aber wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt, ist der Schmerz wieder da. Zusammen mit den Gefühlen von Scham und Schuld, weil ich mir mit dem Alkohol noch zusätzlichen Schmerz zugefügt habe. Denn die Seele weiß, dass ich mir da körperlich Schaden zufüge, dass ich mich emotional betrüge, indem ich meine Gefühle durch die psychoaktive Substanz verändere, dass ich mich spirituell schädige, weil ich einen Teil von mir, meinen Schmerz, abspalte. Und ich verarsche mich, was meine Handlungsfähigkeit betrifft, weil ich den falschen Bewältigungsmechanismus verwende, der das Problem nicht löst, sondern verdrängt, verleugnet, verschiebt.

Der Alkohol, bzw. die Sucht im allgemeinen (seien es Alkohol, Drogen, Sex, Essen, Fernsehen, Lesen, Kaufen, Arbeiten, zu schnell fahren, Sprüche klopfen oder, oder, oder) ist zunächst ein Bewältigungsmechanismus für den Konflikt erster Ordnung. „Wenn ich das tue, geht es mir besser. Ich spüre den Schmerz nicht mehr so stark.“ Da der Alkohol/die Sucht jedoch eigene Probleme sozialer, körperlicher und psychischer Art mit sich bringt, wird er/sie zu einen weiteren Konflikt, dem Konflikt zweiter Ordnung. Beide Konflikte interferieren und potenzieren sich. Dadurch wird die Lage nur noch verzwickter.

Die Lösung im Außen ist keine Lösung. Es ist nicht möglich. Die Lösung liegt im Innen. In diesem inneren Kern, der emotional und spirituell ist. Natürlich können wir dann wieder im Außen agieren und gesellschaftlich erfolgreich sein. Unser größtes Bedürfnis ist jedoch, an diesen inneren Ort zu kommen.

Indem ich den Schmerz annehme und aushalte, wachse ich. Ich lehne mich selbst ab, indem ich den Schmerz ablehne. Indem ich den Schmerz annehme, werde ich integrierter und ganzer. Ich komme zu der Lösung im Innen.
Die Schmerzen vergehen auch wieder. Früher war in mir nur Panik, wenn ich Schmerzen hatte. Ich wollte sie so schnell wie möglich wieder loswerden. Und ich lebte in dem Gedanken: „Schmerz ist schlecht, das darf nicht sein. Schmerz ist Schwäche, Schmerz ist Versagen. Mir muss es immer gut gehen. Wenn ich nicht gut drauf bin, bin ich ein Versager. Wenn ich gut drauf bin, bin ich ein Gewinner.“ Diese Gedanken und mentalen Einstellungen erzeugten Panik in mir, wenn Schmerz auftauchte.
Heute ist da noch eine Stimme in meinem Kopf, die sagt: „Auch wenn es mir jetzt beschissen geht – es geht vorbei. Dieser Schmerz ist heute. Aber morgen ist ein anderer Tag und es wird ein anderes Gefühl geben. Es wird Heilung und Wachstum geben. Dieser Schmerz bin ich.“ Denn das ist meine neue Erfahrung: Indem ich den Schmerz annehme und hindurchgehe, komme ich daraus gestärkt und geheilt hervor. Ich fühle mich danach mehr bei mir, integrierter, mehr in meiner Kraft.

Ich denke, viele Abspaltungen von uns selbst beruhen auf diesen abgelehnten Gefühlen von Schmerz, sowie von Angst und Wut. Unsere Abspaltungen durch Außenmittel zu kitten, verschlimmert die Wunde. (Wobei zu diesen Außenmitteln sogar schon die Gedanken zählen können!) Indem wir aber furchtlos unsere ungeliebten Kinder annehmen (die abgelehnten Gefühle) und ihre Kostbarkeit erkennen, können wir wieder ganz werden und heilen. Wir erkennen, dass wir berechtigt sind, diese Gefühle zu haben. Sie sagen uns, was wir brauchen, was uns gut tut und was uns nicht gut tut. Indem wir diese Gefühle annehmen, kommen wir automatisch an diesen inneren Kern unserer Liebe und unseres unbedingten, ewigen Glücks (Frieden, Da-Sein).
Der Schmerz ist mein Reichtum. Das habe ich erfahren, als ich mich meinem Schmerz stellte und ihn annahm. Ich lag weinend und gekrümmt auf dem Boden, schwach und geschlagen. Aber ich erstand wieder auf, ohne dass dies ein Akt des Willens war. Etwas wurde ganz und ein Frieden kehrte ein, den ich vorher nicht kannte. ES heilte. Dies vollzieht sich in Schritten, denn der Schmerz ist meist zu groß, um auf einmal bewältigt werden zu können. So wachsen wir von mal zu mal mehr und werden zu dem, der wir wirklich sind. Wir kommen zu uns. Zu-sich-Kommen heißt: bei sich ankommen; aber auch: aus der Ohnmacht erwachen. DAS ist das spirituelle Erwachen.

Viele religiöse und spirituelle Traditionen haben die Emotionen verteufelt oder unbeachtet gelassen. Sie gelten oftmals nicht viel oder werden als Quelle des Leids verstanden. Die angebotene Lösung ist, diese Gefühle loszuwerden. Wie oben gezeigt, ist dies die falsche Lösung.

Gleichwohl ist die Lösung spirituell. Diese Lösung im Innen hat viel mit Gott zu tun, wie ihn jeder für sich versteht.

Kategorien:Selbst, Spirituelle Kultur Schlagwörter: , ,
  1. niemand
    24. Februar 2016 um 10:46

    ich stecke seit fast 2 jahren in dem Leid. und bin in das NICHTS angekommen. Ich verlor alles was mir wichtig war. Ich hab NICHTS! hab den Schmerz angenommen und das alles losgelassen.egal was ich anpacke, gelingt mir auch NICHTS! egal was ich mir wünsche kommt auch ein NICHTS! .Ich habe Phasen wo ich denke, es geht wieder aufwärts, spüre meine Kraft,aber kurz danach kommt wieder das NICHTS! ich werde wieder in die völlige LEERE von irgendeiner höheren Macht getrieben. Ich hab nichts und bin ein nichts.jetzt bin ich in eine Phase wo alles mir „sch. egal“ ist.Die Einsamkeit macht mich langsam irre, und wo ist das Ziel, wann komm ich in mir an? der Kreuz den ich trage ist für mich zu schwer, und GOTT gib es in der „dunkle Nacht der Seele“ nicht! Er hat mich völlig allein gelassen und mich auf Probe gesellt, er schaut von oben auf mein Leiden, und erhöht meine Gebete nicht. er schickt mir immer wieder Prüfungen die ich zu bestehen habe.Kaum heile ich eine Wunde kommt die nächste..Ich hab die Welt zu sehr geliebt und das ist die Ernte die ich bekomme.Will kein Jesus mehr sein, den mein Leben sieht genau so aus. will endlich aus der Opferrolle raus, trotzdem schaffe ich es nicht. Allen anderen die es geschafft haben, kann ich von Herzen gratulieren. Kann nur hoffen, das irgend wann mal auch für mich die Sonne scheint..

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    • 27. Februar 2016 um 10:13

      Hallo, das tut mir leid zu hören. Was ist denn das Kreuz, das du trägst, in deinem Fall? Wenn du so große Leere und Einsamkeit spürst, hast du noch irgendwo einen Suchtprozess laufen, wo du deine Energie verlierst.

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  2. jaunt
    4. Oktober 2015 um 14:47

    Ich kenne so etwas, was du schlüssig beschreibst. Ich mag es sehr. Es beginnt mit Relativieren, dem folgt das Loslassen, das Stille spüren, ihren Frieden. Es ist oft Teil von Trauer.
    Der Schmerz, der sich nie verändert hat, ist der, der in mir entsteht, wird einem Menschen oder einem Tier, zu dem ich eine Bindung habe, Schmerz zugefügt. Mir gehts ohnmächtig damit.

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  3. Eulenspiegel
    9. Januar 2015 um 12:21

    einverstanden was all den Schmerz angeht, der von innen kommt. Schmerz und Leid sind wie Bruder und Schwester. Sie gehören auch zu mir. Doch was ist mkt dem Schmerz, der mir von außen zugefügt wird? Annehmen? Ja, denn es gibt Situationen, aus denen es kein Entrinnen gibt. Aber akzeptieren?

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    • 10. Januar 2015 um 11:40

      Gott, gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
      Manchmal kann man ja was ändern. Manchmal nicht. Akzeptieren würde ich das dann auch nicht.

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  4. Sylvia
    6. Januar 2015 um 09:56

    Alles was Du hier mehr als stimmig beschreibst , erlebe ich genau so, nur hätte ich es nicht so wunderbar in Worte fassen können. Es ist ein schönes Gefühl es einmal so genial in Worte gefasst, lesen zu können, weil es eine Bestätigung des eigenen Erlebens ist und gleichzeitig ein Unterstützung. Danke für diese , Deine Gedanken , die Du hier teilst.

    LG
    Sylvia

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  5. Marschner Beate
    24. Oktober 2014 um 10:39

    Wunderbar beschrieben und sehr hilfreich, weil es aus eigener Erfahrung von dir stammt und das macht Mut! Vielen Dank dafür.

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