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Berlin Blog

Berliner Hauswand
12.08.2010
Gestern war Mittwoch, der zweite Tag in Berlin. Der Morgen war sehr schön. Auch heute morgen sitze ich wieder auf meinem Bett, am Fenster, mit Blick auf die Kirche. Es ist sonnig und warm. Von vorne, von der Straße, kommen Geräusche, vielleicht ein Müllauto, oder eine Kehrmaschine.
Den gestrigen Tag verbrachte ich mit Einrichten der Zimmer, Kochen und der Aktualisierung der Tattva-Website. Um fünf Uhr hatte ich eine Verabredung. Ein Freund, Torsten, der seit Januar in Berlin lebt, hatte sich auf meinen Facebook-Eintrag hin gemeldet.
Planufer
Es ist so erstaunlich, wie alles auf mich zu kommt. Ein Fülle an zwischenmenschlichen Kontakte hat sich bis jetzt schon ergeben. Bernhard Harrer, ein alter Freund aus dem Scientific and Medical Network, hat sich auch gemeldet. Ich hatte vor kurzem mit ihm Kontakt und ihm von meinem Berlin-Aufenthalt berichtet. Ich weiß garnicht mehr, wie wir in Kontakt kamen. Zufall? Normal haben wir fast keinen Kontakt. Er zieht morgen von Berlin weg, nach Niederösterreich. Er hat sich gestern gemeldet, damit wir uns nochmal treffen können. Ist doch erstaunlich, ich muss garnichts tun. Seine Freundin ist ein Fan der Tattva Viveka. Wir treffen uns heute Abend in der Ufa-Fabrik. Er zeigt mir das Projekt. Die Ufa-Fabrik, so erzählte er mir kurz am Telefon, ist ein altes Alternativprojekt, das ursprünglich von ca. 60 Leuten besetzt worden war. Heute leben noch etwa 20 Menschen von denen dort zusammen. Ansonsten gibt es dort allerlei alternative kulturelle Projekte. Ich werde es heute Abend erfahren.
Kanal in Kreuzberg
Zusammen mit Torsten bin ich dann abends ins 12-Schritte-Meeting in Kreuzberg, in der Lausitzer Straße. Mein erstes dieses Mal in Berlin. Und ich war erstaunt. Vor fast zwei Jahren war ich mal auf der Durchreise in Berlin in einem Meeting. Das war damals wunderschön gewesen und ich dachte schon die ganze Zeit, wenn ich doch nur wüsste, wo und wann das war. Es gibt 40 Meetings in der Woche in Berlin. Es erschien mir schwierig, jedes Meeting abzuklappern, um dieses spezielle zu finden. Und – Ihr werdet es schon ahnen – es war genau dieses Meeting. Und es war wieder genauso schön.
Graffiti
Ich teilte davon, wie mich der Wille meiner Höheren Macht nach Berlin geführt hat und wie alles so einfach und praktisch geht. „Wenn es nicht praktisch ist, dann ist es nicht spirituell“, steht im Basic-Text. Ich fühle mich wirklich geführt und beschützt. Ich würde mich ungern von einem Menschen führen lassen. Aber mit Gott ist das was anderes. Hier ist die wahre Führung an ihrem natürlichen Platz.ohne Worte
Es fügte sich zudem, dass ich neben einer sympatischen, attraktiven Frau saß, mit der ich vor dem Meeting schon in ein angenehmes Gespräch kam. Nach dem Meeting gingen wir dann noch einen Yogi-Tee beim nebenan liegenden indischen Restaurant trinken, zu dritt. Es zeigte sich, dass sie in der Werbebranche tätig ist, gelernte Schriftsetzerin, und nun für den Bereich Grafik und Gestaltung zuständig. Wir redeten über Design. Von ihr erscheint demnächst ein Buch über Druckvorstufe im Die Gestalten-Verlag. Sie sprach von der Werbebranche und die dort herrschende Verlogenheit. Sie will raus aus diesen Kreisen, etwas Soziales für aids-kranke Kinder tun. Sie ist selbst positiv.
in Kreuzberg
Ca. 22.30 Uhr verabschiedeten wir uns und ich ging mit Torsten zur U-Bahn Kottbusser Tor. Kurz vor der U-Bahn spürte ich, ich möchte noch nicht nach Hause fahren. Ich sagte zu Torsten, ich würde gerne noch etwas umherlaufen und fragte ihn, ob er auch möchte. Er entschied sich jedoch, heim zu fahren. Das war voll okay für mich und ich freute mich, noch etwas alleine durch die belebten Straßen zu schlendern. Es gab Zeiten, da wäre ich überhaupt nicht fähig gewesen, das zu kommunizieren, meine Bedürfnisse anzumelden. Ich wäre vermutlich mit in die U-Bahn getrottet und heimgefahren. Heute kann ich mich zeigen und meine Bedürfnisse und Wünsche kommunizieren und das tun, was mir gut tut. Torsten war es natürlich Jacke wie Hose, ob ich jetzt noch ein Stück in der U-Bahn mitfahre oder ob wir uns hier trennen. Ich bin nicht für sein Leben verantwortlich und er erwartet das auch nicht im geringsten von mir. Ich habe jedoch in meinem Leben ein co-abhängiges Muster ausgebildet, das es mir unter anderem schwer macht, eigenständig zu bleiben. Es gibt in mir so Verschmelzungstendenzen, die dazu führen, dass ich mich für den anderen zuständig glaube, mich nicht rechtzeitig lösen kann und dann Dinge tue, die ich nicht tun möchte – weil ich dann eh nicht weiß, was ich überhaupt tun möchte. Aber ich werde immer klarer damit und kann mittlerweile immer besser für mich sorgen. Spontan kann ich meine Bedürfnisse und Gefühle wahrnehmen und kommunizieren, ohne Angst und Scham. Das ist ein guter Schritt in Richtung Genesung.

Ich stand dann an der Kreuzung und blickte mich um. Es gab verschiedene Straßen, in die ich hätte gehen können. Überall waren Menschen und Lichter. Eine Straße hatte mich schon von Anfang an angezogen. Ich schritt hinein und entdeckte gleich am Anfang eine Art Gartenwirtschaft hinter einem Zaun auf einem unbebauten Grundstück. Das war natürlich keine „normale“ Gartenwirtschaft, sondern die Berliner Szeneausführung davon. Es ging irgendwie nach unten in eine Vertiefung, wie wenn da mal angefangen worden war, für einen Neubau die Erde auszuheben. Es waren recht große Dimensionen. In dieser Senke standen Stühle und Tische auf der einen Seite des hinunterführenden Weges und Liegestühle auf der anderen Seite. Die Menschen räkelten sich in den Liegestühlen. Es lief eine Musik im Hintergrund. Das Areal war schumerig beleuchtet. In der Mitte stand eine Hütte für den Ausschank. Der Abend war mild. Bäume und Büsche säumten das Gelände. Kleine Erdhügel und Unebenheiten machten daraus ein uriges Ambiente, wie ein Abenteuerspielplatz für Gesellige.

Ich ging wieder hinaus auf die Straße. Es war die Oranienstraße in Kreuzberg. Alles voller Menschen. Vor allem sehr junge. Eine Kneipe, ein Esslokal neben dem anderen. Gegenüber ein riesiges, edel ausstaffiertes indisches Restaurant. Nebeneinander Pizza, Falafel, Sushi, Vietnamesisch usw. Ab und zu ein Buchladen, Schaufenster mit Gegenwartskunst oder Nippesläden. Tische auf dem Gehsteig, Trauben von Menschen, Fahradfahrer in Mengen, flippige Leute, redend, lachend.

Ich sprach eine Frau an. Aber sie wollte alleine sein. Ok. Das Leben in der Straße faszinierte mich. Welche Fülle von Kultur und Kreativität. Manches reichlich schräg, viel Alk. Aber das lässt sich wohl nicht vermeiden. An einer Ecke roch es nach Dope. Diese Dinge kommen mir nun in Berlin näher als in dem Kleinstädtchen Bensheim. Das war mir vorher schon bewusst. Ich trinke nicht und vor allem nehme ich keine Drogen. Das habe ich lange genug getan. Nun bin ich clean und möchte es auch bleiben. Dope, Haschisch, war ja immer meine Lieblingssubstanz. Der Geruch törnte mich nicht an. Ich mag den Geruch, aber ich möchte nichts mehr nehmen. Ich habe das lange genug gemacht. Es gibt da nichts mehr zu holen.
Auf dem Weg nach Hause dann in der U-Bahn überall Menschen mit Bierflaschen in der Hand. Scheint hier sehr verbreitet zu sein. Ich war froh und müde, als ich nach Hause kam. Es war dann schon fast 0 Uhr. Die Beine waren schwer vom Rumlaufen. Berlin ist gigantisch. Das verführt dazu, sich zu übernehmen. Ich achte gut auf mich, damit ich mich nicht überfordere. Ich wahre meine eigenen Grenzen.
Ein wunderschöner, gelungener erster Tag in Berlin. Danke an meine Höhere Macht.

Noch mehr Bilder von diesem Tag findet Ihr auf Facebook

Kategorien:Berlin Schlagwörter: ,
  1. 12. August 2010 um 10:30

    Hi Ron, du mir schenkst

    Danke und tiefen Respekt…..Ich freue mich für dich und danke dir Das ich dich begleiten darf….Anteilnahme und Achtung und dein Vertrauen das du mir schenkst ist nicht selbstverständlich, für die Spezie´s Mensch wie unsereiner, grins.
    In Liebe und Demut dein Hanshans

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  1. 12. August 2010 um 09:00

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