Startseite > Sein-Kolumne > Autorität und Rebellion

Autorität und Rebellion

Als ich aufs Gymnasium ging, entdeckte ich die Alternativkultur. Ich war fasziniert und tauchte in die Musik und den Lebensstil der 68er-Rebellen ein. Ich wurde selbst zum Rebell und kämpfte für eine bessere Welt. Erst viele Jahre später merkte ich, dass meine Ablehnung der Autoritäten ihre Herrschaft in mir keineswegs gebrochen hatte. Ich lehnte ihre Werte ab und lebte das Gegenteil. Bei mir war ich dabei aber keineswegs angekommen. Ich war immer noch von den Autoritäten bestimmt, nur diesmal negativ.

Viele von uns haben einen »Autoritätskonflikt« und bewältigen dies durch die Ablehnung von Autorität im Ganzen. Schaut man genauer hin, so zeigen sich zwei Varianten des Autoritätskonflikts: die Autoritätsabhängigkeit und die Autoritätsablehnung.

 

rebelion

 

Es ist sicherlich ein Problem, wenn jemand sich an Autoritäten gebunden fühlt und ihnen keine eigene Souveränität entgegensetzen kann, wenn er von ihren Regeln und Gesetzen dominiert wird und ihn Angst und Scham erfüllen, sobald er diesen Regeln zuwider handeln soll. Falls der Mensch aufzubegehren beginnt, wandelt sich die Autoritätshörigkeit in Rebellion. Er tritt aus der Abhängigkeit von der Autorität heraus und das, was bisher gültig war, wird nun abgelehnt. Wir kennen das. Alle bürgerlichen Werte werden umgedreht, die alternative Subkultur provoziert und übertreibt, um die verkrusteten Strukturen der veralteten Moral aufzubrechen. Ein notwendiger Schritt. Wenn jedoch aus der Autoritätsabhängigkeit eine einfache Negation der Autorität und ihrer Werte wird, bleibt man an diese Autorität gebunden. Man ist gezwungen, das Gegenteil von dem zu tun, was die Autorität vorgibt. Man ist immer noch nicht in der eigenen Kraft und im eigenen Urteil.

Eigene, innere Autorität hat man erst dann, wenn man kraft seines Urteilsvermögens in der Lage ist, die eigenen Werte zu definieren und zu leben. Dann muß man äußeren Autoritäten weder zwanghaft folgen noch sie zwanghaft ablehnen. Dies erfordert zunächst die Annahme des Prinzips Autorität überhaupt. Wir sind selbst Autoritäten, Autoren unseres Lebens. Wenn wir unsere eigene Autorität gefunden haben, müssen wir äußere Autoritäten nicht mehr bekämpfen und gehen unseren eigenen Weg.

  1. 31. Januar 2015 um 22:31

    Das ist ein riesen Thema in der heutigen Zeit und den vielen politischen Konfikten und Fanatismen. Diese sind nichts anderes als das was du beschreibst! Ich selbst habe die Erfahrung mit einem geliebten Menschen gemacht. Und konnte die Art und Weise der Ablehnung gegen Autoritäten und das Außen und damit die Ablehnung gegen das eigene Ich nicht mehr ertragen. Weil ich es so wie du bereits gesehen habe, wozu es führt. Aber es ist bestimmt ein weiterer Weg, um letztlich zu sich selbst zu finden.

    Gefällt mir

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: