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Archive for the ‘Gefühle’ Category

Die Zärtlichkeit der Seelen

30. April 2015 20 Kommentare

Sex ohne Seele ist Missbrauch. Sex ist für mich kein Ziel an sich. Sex ist für mich immer nur die Begleiterscheinung einer seelischen Berührung, die aber erstmal gegeben sein muss. Wir machen Sex ohne seelische Nähe und sind hinterher frustriert. Ich möchte diese seelische Berührung. Und ich mache im Kleinen die Erfahrung, dass dann ganz automatisch die angemessene körperliche Berührung geschieht, von selbst, ohne das zu beabsichtigen. Ich möchte diese absichtslose körperliche Berührung und Sexualität erleben. Danach sehne ich mich schon viele Jahre. Es gibt eine Frau in meinem Leben, da passieren manchmal diese spontanen Umarmungen, wenn uns unsere Seelen nahegekommen sind. Da kann ich manchmal wirklich spüren: jetzt sind wir uns nahe, wirklich nahe. Da stimmt die körperliche Nähe mit der seelischen Nähe überein.

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Und ich kann es spüren, wenn ich diese Frau lüstern berühre und nur saufen will. Ich mache das manchmal, unbeabsichtigt, aber nicht absichtslos im heiligen Sinne, sondern aus dem kranken Muster heraus, das noch in mir sitzt. Das fühlt sich dann hinterher schlecht an, getrennt von ihr. Weil ich sie in dem Moment, in diesem kurzen Augenblick, missbraucht habe, zu einem Stück Fleisch degradiert, das man begrabschen kann.

Ich möchte in diese heilige Absichtslosigkeit kommen, jenseits meines kleinen Egos, in das Nicht-Wollen, in die Führung durch Gott, wo die Berührung der Seelen geschehen kann. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die das können. Diese Frau ist eine von ihnen. Sie ist oft sehr nah an sich dran. Sie kann sich spontan öffnen, das habe ich erfahren. Aber sie bleibt auch gnadenlos zu, wenn ich nicht rein bin. Ich kann bei ihr lernen, rein zu werden. Das ist nicht immer schön. Es tut auch weh, den Entzug zu spüren, den Entzug von meiner sexuellen Droge.

Es gibt nichts Schöneres als rein zu sein. Sexuell und beziehungsmäßig rein zu sein heißt, den anderen nicht mehr als Objekt zu gebrauchen, sondern ihn oder sie als vollständig souveränes Subjekt, Lebewesen, fühlendes Wesen zu ehren und zu achten.

Beziehungssucht

24. April 2015 8 Kommentare

Was bedeutet es, von Beziehungen abhängig zu sein? Es bedeutet, eine Beziehung zu brauchen, um sich ganz zu fühlen. Es kann ein bestimmter Mensch sein, mit dem ich auf jeden Fall eine Beziehung haben will, egal wie. Oder die Menschen können austauschbar sein, wenn ich auf jeden Fall eine Beziehung haben will, egal mit wem. In beiden Fällen sehe ich den Menschen nicht, wie er wirklich ist, und kann nicht wirklich bei ihm sein. Und gleichzeitig kann ich nicht bei mir bleiben und mich nicht mit mir ganz fühlen.

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Die Wahrheit ist, wir sind immer allein. Niemand kann meinen Weg für mich gehen, niemand kann die Verantwortung für mich übernehmen. Und das ist das Schwierige. In letzter Konsequenz kann ich nur mir selbst vertrauen und muss selbst herausfinden, was für mich richtig ist, was mein Weg ist. Wir Menschen brauchen Menschen, und doch kann ich nicht bedürftig und saugend durch die Welt laufen und mich an anderen Menschen nähren. Das ist das Kindschema, die Opferhaltung.

Wo kann ich mich nähren? Männer genesen mit Männern und Frauen genesen mit Frauen. Wenn ich als Kind nicht genug Liebe von meinem Eltern bekommen habe, dann fehlt mir etwas. Das muss nachgenährt werden. Es ist gut, das in nicht-sexuellen Freundschaften zu machen, aber nicht in Partnerschaften. Zugleich muss ich den Schmerz spüren, der durch diesen Mangel entsteht. Es ist wichtig, dem Schmerz nicht auszuweichen, denn sonst kommt die gleiche Situation immer wieder. Sonst fange ich an, die Nahrung bei meinem Partner zu suchen, und das ist nicht der Sinn einer Partnerschaft. Es ist wichtig, durch diesen Schmerz hindurch zu mir selbst zu kommen. Ich bin alleine für mich verantwortlich und es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Ich selbst bin ein riesiger Kontinent, den es zu entdecken gilt. Indem ich mich wahrnehme und mit mir bin, entdecke ich mich selbst und kann beginnen, mich zu lieben. Ich kann lernen, mir selbst Gutes zu tun und mich zu nähren. Ich kann selbst meinem inneren Kind Vater oder Mutter sein. Ich kann die Schönheit und Vielfalt des Lebens entdecken. So kann ich dankbar werden.

Angst vor mir selbst

8. April 2015 8 Kommentare

Heutemorgen war ich etwas verzweifelt, weil ich Sehnsucht nach meiner Traumfrau hatte. Wir hatten uns letzte Woche gesehen und es war sehr schön. Aber es ist auch eine problematische Beziehung und wir sind nicht zusammen. Morgen ist nun Feiertag und ich dachte schon seit Tagen, ich würde gerne mit ihr diesen Tag verbringen. Ich programmierte mich schon seit Tagen auf diese fixe Idee. Es baute sich aber auch Traurigkeit und Frustration auf und meine Gelassenheit verabschiedete sich. Es tat mir weh und ich bekam Angst, sie anzurufen, und Angst vor Verlust und Ablehnung.

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Heutemorgen nun betete ich intensiv zu meiner Höheren Macht und gab meine Machtlosigkeit diesbezüglich zu.

Vorher fühlte ich mich leer und hatte schon den Horror davor, den Feiertag alleine zu verbringen. Auch andere Menschen waren nicht anziehend, sattdessen beurteilte ich sie und stellte mich über sie. Alles war leer und nur diese Frau konnte die Leere füllen. Alles andere ödete mich an, sogar ich selbst ödete mich an. Ich mich am meisten.

Circa eine viertel Stunde nach dem Gebet saß ich am Frühstückstisch und nahm mich selbst plötzlich wahr, wie ich inspiriert und voller Freude mit mir selbst war. Ich hatte Bilder und Ideen von den Sachen, die ich gerne machen würde. Ich erforschte mich und fühlte mich erfüllt, mit all den Möglichkeiten, die mir mein Leben bot und die mich interessierten. Ich hatte keine Gefühle der Leere und Einsamkeit mehr. Ich hatte die Frau vergessen und war bei mir. Ich bin, der ich bin. Dieses Ich zu entdecken – mich zu entdecken – ist allemal genug. Und ich erkannte, es war nur die Angst vor mir selbst, die mich in dieses ganze Kopfkino trieb.

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Indem ich diese Angst zulasse und sie annehme, kann der Teil in mir in mein Bewusstsein treten, den ich verdrängt habe.

In der Beziehung zu mir selbst werde ich unabhängig vom Außen. Das bedeutet nicht, dass ich dann nur noch in mir selbst verweile, sondern dass das Außen von einem Mangel zu einer Bereicherung wird, die ich in Freiheit und Schönheit zu meiner inneren Fülle hinzufügen kann.

Falsche Gefühle

1. April 2015 7 Kommentare

Neulich hatte ich Wut auf einen Freund. Ich war zutiefst verletzt und gekränkt. Er hatte mehrfach meine Anrufe unterbrochen, weil ihm etwas dazwischen kam, und mir gesagt, er würde später zurückrufen. Das hat er nicht getan. Ich habe vergeblich gewartet. Da dies mehrfach hintereinander passierte, war ich irgendwann richtig sauer. Ich sah schon das Ende unserer Freundschaft und legte mir im Geiste meine Abrechnung mit ihm zurecht. Ich hatte die schlimmsten Namen für ihn und eine lange Liste von Vergehen, denen er sich schuldig gemacht hatte.

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Ich verhielt mich jedoch passiv und agierte nicht. Ich schaute mir diese Gefühle von Schmerz, Trauer und Wut an und verfolgte sie an ihren Ursprung zurück, so gut ich konnte. Indem ich sie aushielt und nicht versuchte, sie zu ändern, z.B. indem ich anrufe und die Sache kläre, konnte ich immer tiefer in diese Gefühle hineingehen und sie kennen lernen. Ich kam immer mehr darauf, dass dies meine Gefühle waren. Mein Freund war zwar der Auslöser, aber nicht die Ursache. Es gab wirklich Momente, da konnte ich mich erinnern, wie ich diesen Schmerz schon als Kind gefühlt habe. Ich konnte den alten Schmerz fühlen.

Zum Glück musste ich nicht ausagieren und konnte statt dessen diese Gefühle bei mir behalten. Ich wartete und hielt die Gefühle aus, auch wenn es manchmal echt schwer war und die Sache auf der Kippe stand.

Eines Tages rief mein Freund dann an, grüßte mich herzlich und wir plauderten ganz normal. Ich freute mich sehr über seinen Anruf und ließ die Gefühle der Gekränkheit und Verletztheit bei Seite. Alles war wieder gut und die Wut war wie weggeblasen. Für ihn war garnichts Schlimmes passiert und er war immer noch mein Freund. Und für mich – ich hatte viel über mich gelernt, über meine Phantasien des verletzten Kindes in mir und meinen Wahnsinn, der mir einflüstern wollte, ich hätte keinen Freund mehr. Geheilt wurde die alte Wunde obendrein – dadurch, dass ich den alten Schmerz und die unterdrückte Wut gefühlt habe.

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Was ist Innen?

11. April 2014 9 Kommentare

Innere Fülle

 

In meinem Weg der Philosophie und Spiritualität habe ich irgendwann herausgefunden, dass der Weg nach innen geht. Viele unserer Unternehmungen, um Glück und Zufriedenheit zu erfahren, setzen im Außen an. Wir arbeiten uns von außen nach innen vor.

Zunächst hatte ich eine sehr einfache Unterscheidung: außen ist alles das, was außerhalb meines Körpers ist. Innen: Das bin ich. Aber wer ist dieses Ich?

Jahrelang litt ich unter Rückenschmerzen. Der herkömmliche Weg ist es, von außen etwas mit dem Körper zu machen, um die Rückenschmerzen zu beseitigen, zum Beispiel Massage und Fango, dann Salben oder Medikamente. Dies ist jedoch ein mechanischer Ansatz, der von außen auf meinen Körper einwirken soll. Die nächstbessere Idee ist es natürlich, Sport und Bewegung zu praktizieren, um den Rücken zu stärken und zu entspannen. Es gibt hier viele Methoden, wie z.B. Yoga, Qigong usw.

Ich musste jedoch erkennen, dass auch diese Methoden mir äußerlich sind.

Woher kam dieser Schmerz? Woher kam diese Verspannung? Egal was ich versuchte, die Schmerzen gingen nicht weg. Vielfach verspannte ich mich bei sportlichen Übungen noch mehr. Alle diese Übungen und Methoden praktizierte ich von außen nach innen. Ich versuchte, über mehr oder weniger mechanische Methoden, mein inneres Befinden zu verändern.

Irgendwann begann ich, mich auf den Weg nach innen zu machen. Ich überlegte mir, dass es meine Gedanken sein würden, die meine Verspannungen auslösen. Es zeigte sich jedoch, dass ich mit dieser Hypothese nicht weiterkam. Ich machte mir positive Gedanken, die Rückenschmerzen blieben. Weder der Körper noch die Gedanken gehören zu meinem Inneren. Also versuchte ich es mit Spiritualität, zum Beispiel Meditation. Es gab gewisse Achtungserfolge, d.h. zeitweilige Verbesserungen, aber der Durchbruch lieb aus. Ich musste erkennen, dass auch die Spiritualität nicht Teil meines Inneren ist. Immer war ich zugleich auf der Suche nach diesem Ich. Bin ich dieser Körper? Bin ich ein denkendes Wesen? Bin ich ein spirituelles Wesen? Wer bin ich?

Irgendwann entdeckte ich dann die heiße Spur. Ich bin ein fühlendes Wesen! Nur wenn ich ich bin, kann ich entspannt sein. Nur wenn ich bei mir bin und meinem Selbstgefühl folge, kann ich entspannt sein. Die echte Spiritualität besteht darin, ich selbst zu sein. Dies bedeutet: mit Haut und Haaren. Aber hier sind natürlich nicht die physischen Haare und die physische Haut gemeint, sondern dieses innere Gefühl, das ich für mich selbst habe. Es bedeutet aber auch, dass es hier nicht um mein spirituelles ewiges und ideales Selbst geht im Sinne des göttlichen Selbst, wo ich vollkommen und frei von allem Leid bin. Nein, es geht um meine bedingte, relative Existenz als Mensch. Es geht um den Ort, wo ich jetzt bin, und um die Zeit, wo ich jetzt bin. Es geht erst einmal darum, zu sein. Es geht darum, mich in meiner Wahrheit und Soheit zu erkennen, mit Glück und Leid, mit Freude und Schmerz, mit meinen ganzen Gefühlen, insbesondere auch den so genannten negativen Gefühlen, nämlich Schmerz, Angst und Wut.

Es gibt so viele Theorien und Philosophien und Spekulationen darüber, was Gefühle sind. Ich kann mich keiner dieser Philosophien anschließen. Ich beziehe mich auf keine dieser Philosophien. (1) Für mich sind die Gefühle nicht durch die Gedanken erzeugt. Es gibt natürlich Gefühle, die durch das Denken erzeugt werden, aber dies sind Pseudogefühle. Es gibt für mich auch keine gravierende Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen. Diese beiden Begriffe bedeuten für mich das gleiche. Ich unterscheide jedoch in echte und Pseudogefühle beziehungsweise neutraler: in primäre und sekundäre Gefühle.

Die primären Gefühle sind die echten und originären Gefühle. Die sekundären Gefühle sind vermittelte Gefühle.

Je mehr ich auf dem Weg zu meiner eigenen Wahrheit vorankam und zu einem fühlenden Wesen wurde, das einfach nur seine momentane Situation hier und jetzt ehrlich zugibt, umso entspannter wurde ich, d.h. umso weniger Rückenschmerzen hatte ich.

Für mich ist es nun eine innere Entspannung, ein In-mich-Hineinlehnen in mein Leben, auch ein Loslassen manchmal, aber auch Festhalten zum richtigen Zeitpunkt, ein Mitfließen und Mitschwingen mit dem Rhythmus meines Lebens. Es bedeutet, mich ernst zu nehmen, mich zu fühlen, mich selbst zu achten. Und es bedeutet insbesondere, vor mir selbst und vor anderen ehrlich zuzugeben, wie es mir gerade geht, ohne etwas daran manipulieren zu wollen. Es bedeutet, die Leugnungssysteme zu durchbrechen, denn immer, wenn ich mich nicht zeige und nicht ehrlich als der erscheine, der ich bin, gehe ich in eine künstliche Haltung und diese verspannt mich. Vieles von der Verspannung ist die Angst und die Scham, mich zu zeigen. Das macht meinen Körper hart und steif.

Ich habe nun jahrelang keinen Sport gemacht, keine Gymnastik, kein Yoga, kein Schwimmen und nichts dergleichen. Trotzdem habe ich so gut wie keine Rückenschmerzen. Im Vergleich zu früher ist es eine riesige Verbesserung. Ich fühle mich entspannt und wohl, obwohl ich den ganzen Tag am Computer sitze. Wobei ich natürlich nicht perfekt bin. Manchmal gehe ich über den Punkt hinaus, wo es mir noch gut tut. Dann verliere ich den Kontakt zu mir selbst und bezahle dies mit Verspannungen im Rücken. Aber auf diese Art und Weise finde ich immer mehr über mich heraus, wie ich bin und wer ich wirklich bin, was mir gut tut und was meine Bedürfnisse sind.

Ich bin heute der Überzeugung, dass ich umso gesünder bin, je mehr ich in meiner Wahrheit bin. Zu Ende gedacht würde dies bedeuten: Wenn ich der bin, der ich bin, bin ich unsterblich.

 

Fußnote (1):

Eine große Nähe fühle ich jedoch zu folgenden Ansätzen: Dan Casriel, Anne Wilson Schaef, 12-Schritte-Programme, Walter Lechler, Co-Dependency Anonymous, Robert Subby, Janet Woititz, Daniel Stacey Barron und Alice Miller.

Bild ©: Tomasz-Alen Kopera, www.alenkopera.com

Angenommene Angst

23. Februar 2014 8 Kommentare

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Vor einigen Tagen hatte ich eine interessante Begegnung mit meinen Gefühlen. Ich kenne Zeiten, wo ich mich sehr, sehr einsam fühlte und sehr im Minderwert war. Meistens ist das nicht mehr so, doch an diesem Tag kamen diese Gefühle der Einsamkeit, der Angst und der Leere wieder in mir hoch. Ich saß in meinem Zimmer am Schreibtisch und es ging mir zunehmend schlechter. Ich fühlte mich beschissen und konnte gar nicht genau sagen, was los ist, nur, dass ich das von früher kannte. Ich wollte dieses Gefühl nicht haben. Mein Verstand überlegte fieberhaft, was ich tun könnte. Mein Verstand sagte, ich sei ein schwacher unfähiger Mensch, weil ich jetzt dieses Gefühl habe, und es müsse doch eine vernünftige Handlung geben, um weiterhin konstruktiv und positiv zu sein. Da fiel mir das Regal ein, das ich schon seit einiger Zeit aufbauen wollte und dachte mir, das muss ich jetzt tun. Aber die Verzweiflung ließ mich nicht los und Lust dazu hatte ich auch nicht. Ich habe es auch nicht getan. Stattdessen schaltete sich meine Intelligenz ein und ich betrachtete mich von oben, denn ich weiß, dass es darum geht, nicht vor den Gefühlen wegzulaufen oder sie zu verdrängen, sondern sie anzunehmen und zu fühlen. Ich blieb also sitzen und ließ mein Gefühl zu. Ich ging in diese Einsamkeit, den Schmerz und in die Angst. Und was dann passierte, erstaunte mich zutiefst. Meine Wahrnehmung wurde ganz hell und genau. Nachdem ich wenige Minuten dieser Angst Raum gegeben hatte, fühlte ich plötzlich ganz viele verschiedene Gefühle, die sich abwechselten oder parallel auftauchten und wieder verschwanden. Dann wurde ich ganz ruhig und zufrieden. Ich fühlte mich selbst und das war ganz gut. Die Angst verschwand und ein Gefühl des Friedens stellte sich ein. Es war, als ob die Angst selbst zufrieden geworden war, weil sie sich gesehen fühlte. Sie wollte einfach nur wahrgenommen werden. Nur wenn ich in meinem üblichen Muster direkt in die Ablehnung der Angst gehe, wird sie so bedrohlich. Und in der Tat konnte ich die Erfahrung machen, dass angenommene Angst sich so schön wie ein Orgasmus anfühlen kann.

Nachtrag:

Das Erlebnis ist nun schon ein paar Wochen her. Es ist immer noch bedeutsam für mich und es hat sich seitdem etwas geändert: Ich habe viel mehr Liebe für mich und keine Angst mehr vorm Alleinsein.

Liebe dich selbst

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Gelassenheit

22. November 2012 4 Kommentare

»Wir taten alles, um die Illusion zu bewahren, dass wir die Kontrolle über unser Leben hätten. Auf diese Weise hinderten wir uns selbst daran, jene Gelassenheit zu erlangen, die wir erhalten, wenn wir dem Willen einer Höheren Macht gegenüber kapitulieren.«[1]

Dieses Zitat aus einem Buch des Zwölf-Schritte-Programms zeigt, wie hier die Gelassenheit erreicht wird. ›Loslassen und Gott überlassen‹ ist eine bekannte Devise. Wir übergeben unseren Willen der Fürsorge einer Höheren Macht und glauben daran, dass diese Höhere Macht liebevoll und barmherzig ist. Und wir glauben daran, dass dieser göttliche Wille das Beste für uns ist. Unsere eigenen menschlichen Ratschlüsse können diese Weisheit niemals erreichen.

Neulich sprach ich mit einer Person, die der buddhistischen Tradition zugeneigt ist. Sie erklärte mir, dass das Ziel des Buddhismus darin besteht, die Erscheinungen im Geist, d.h. die Gedanken und Gefühle, wie Wellen auf der Oberfläche zu betrachten, die keine wirkliche Bedeutung haben. Sie kommen und gehen und haben nichts mit mir zu tun. Wenn ich das verstanden habe, entsteht große Gelassenheit, weil ich mich nicht mehr mit den Gedanken und Gefühlen identifiziere.

Dies sind zwei radikal unterschiedliche Zugangswege. Der moderne pluralistische Ansatz würde nun sagen: das muss jeder für sich selbst wissen und alles ist gleich gut. Es lassen sich hier indes deutliche Unterschiede bemerken: der Weg mit Gott baut darauf, dass es eine höhere Macht gibt, die mein Leben führt. Der buddhistische Weg funktioniert komplett ohne Gott und baut auf die Eigenleistung des Menschen. Während der Weg Gottes bedeutet, meine Kontrolle als Illusion zu betrachten und aufzugeben, impliziert der buddhistische Weg, dass es meiner Kontrolle unterliegt, was mit mir geschieht. Diese Kontrolle wird dadurch erreicht, dass ich mich von meinen Gedanken und Gefühlen abtrenne.

Im Weg mit Gott unterliegen sowohl meine Gedanken als auch meine Gefühle dem Willen Gottes und sind somit wesenhaft. Wenn ich mich dem Willen Gottes hingebe, fühle und erlebe ich die Dinge, die dem göttlichen Willen entsprechen. Meine Gedanken und insbesondere auch meine Gefühle gehören zu mir und haben eine wesenhafte Bedeutung.


[1] Nur für heute, Narcotics Anonymous World Services Inc., 2004, S. 341