Sein-Kolumne

Entscheiden können

Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Besonders kompliziert sind bisweilen die Entscheidungen. Manche kennen das. Du stehst vor der Wahl: Will ich mich mit der Person treffen oder nicht? Will ich heimgehen oder noch da bleiben? Soll ich den Job annehmen oder besser noch warten? Weiterlesen

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Denken und Fühlen

Ein Verhaltenstherapeut erklärte mir einmal den Unterschied von Denken und Fühlen so: Das Denken kann blitzschnell in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu reisen, das Gefühl ist immer an die Gegenwart gebunden.

Dies finde ich ein gutes Indiz, um die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Denken und Fühlen zu verstehen. Ich kann mir jederzeit meine Vergangenheit oder meine Zukunft vorstellen, bis hin zum Paradies oder zum Weltuntergang. Das Denken ist unabhängig von Raum und Zeit, es reist mit Lichtgeschwindigkeit oder vielleicht noch schneller. Das Gefühl hingegen ist immer an die gegenwärtige Situation gebunden. Das, was ich fühle, hat immer mit dem Hier und Jetzt zu tun. Weiterlesen

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Autorität und Rebellion

Als ich aufs Gymnasium ging, entdeckte ich die Alternativkultur. Ich war fasziniert und tauchte in die Musik und den Lebensstil der 68er-Rebellen ein. Ich wurde selbst zum Rebell und kämpfte für eine bessere Welt. Erst viele Jahre später merkte ich, dass meine Ablehnung der Autoritäten ihre Herrschaft in mir keineswegs gebrochen hatte. Ich lehnte ihre Werte ab und lebte das Gegenteil. Bei mir war ich dabei aber keineswegs angekommen. Ich war immer noch von den Autoritäten bestimmt, nur diesmal negativ. Weiterlesen

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Gute Gefühle – schlechte Gefühle

Viele Menschen denken, es gehe darum, sich gut zu fühlen. Ich nicht. Ich denke, es geht darum, zu fühlen. Es gibt Menschen, die ständig versuchen, glücklich und zufrieden zu sein. Das ist schön und ehrenhaft, allein, es ist nicht das, was wahr ist. Sie glauben, es ist gut, sich gut zu fühlen und es ist schlecht, sich schlecht zu fühlen. Weiterlesen

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Beziehungslegastheniker

Seit einiger Zeit bin ich dabei, auf meiner Straßenseite aufzuräumen. Dazu gehört es, mich selbst auf meine Mängel hin zu untersuchen. Gibt es Anteile in meinem Charakter, die nicht in Ordnung sind? Habe ich Fehler gemacht? Dabei wird mir klar, je mehr ich meine Charakterfehler erkenne, umso mehr erkenne ich auch, wie ich anderen Menschen Schaden zugefügt habe. Opferhaltung, reaktives Verhalten, der Anspruch, dass andere sich um mich kümmern, Erwartung von Zuwendung und Anerkennung – das sind alles meine co-abhängigen, infantilen Verhaltensweisen und Haltungen. Indem ich die Verantwortung für mein Leben übernehme, sehe ich erst, was wirklich passiert. Ich höre auf, andere zu beschuldigen. Weiterlesen

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Schmerz, Unverwundbarkeit und emotionales Zölibat

Spirituell ambitionierte Menschen scheinen mir oft die unausgesprochene These zu vertreten: spirituelle Vollkommenheit ist Unverwundbarkeit. Daraus abgeleitet ergibt sich die Annahme, dass jede Art von emotionalem oder seelischem Schmerz aus einer spirituellen Unvollkommenheit resultiert, die es zu überwinden gilt. Wenn es mir wehtut, dass mein Partner mich verlässt, dann muss ich noch an mir arbeiten. Eifersucht, Einsamkeit, Bedürftigkeit sind Mängel, die sich für einen spirituell fortgeschrittenen Menschen nicht geziemen.

Wozu gibt es aber Schmerz? Ist Schmerz immer ein Zeichen von fehlender spiritueller Verwirklichung? Wenn ich mich verletze, verbrenne, vergifte, dann ist dies gesundheits- oder gar lebensbedrohlich. Der Schmerz ist das Signal, dass hier etwas nicht stimmt. Ohne das Schmerzempfinden würden wir nicht merken, wann unser Körper Schaden nimmt. Es ist also evident, dass das Leben verletzbar ist. Es ist zerbrechlich und es muss geschützt werden. Das ist ein Merkmal von Leben.

embrional

Was auf der körperlichen Ebene einleuchtet, wird auf der emotionalen und spirituellen Ebene oft dementiert. Hier wird jeder Schmerz als Defizit und Unfähigkeit der Person interpretiert. Man soll immer in sich selbst ruhen und die Seele wird wie eine in sich abgeschlossene Einheit gedacht, die von nichts und niemandem abhängig ist. Ich nenne das „emotionales Zölibat“. Wir machen zwar auf der körperlichen und energetischen Ebene noch miteinander rum, aber emotional ist jeder auf sich selbst gestellt. Ich glaube, wir sind uns des Schmerzes nicht bewusst, den dieser Anspruch erzeugt. Überfordern wir uns vielleicht?

Wie ist die Architektur der menschlichen Seele beschaffen? Der emotionale Schmerz weist darauf hin, dass etwas Lebensnotwendiges Schaden nimmt. Mir scheint, die Seele will und muss sich verbinden. Menschen brauchen Menschen. Verlässliche und stabile Verbindungen sind lebenswichtig. Dazu gehören auch Verbindlichkeit und Verpflichtung. Die Schönheit des Lebens liegt in den Beziehungen. Sie sind die Seelennahrung, die wir brauchen. Der Schmerz ist das Signal, dass uns diese Nahrung fehlt. Das ist ein schöner Schmerz.

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Impressum

2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 36.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 13 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Was tun?

Vielen von uns geht es darum, in der Welt etwas zu verändern. Wir wollen die Welt retten, wir wollen zum Fortschritt des Bewusstseins beitragen, wir wollen Atomkraftwerke abschalten und so weiter. Dahinter liegt die Idee, dass wir etwas ändern können. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass wir die Macht haben, dies zu tun. Wir tun etwas, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das in der Regel aus unserem Denken erschaffen wird. Daraus ergeben sich bestimmte Motive, Strategien und Erwartungen, was unsere Handlungen betrifft. Wie wäre es jedoch, wenn wir einmal von der Annahme ausgingen, dass wir machtlos sind? Dass wir nicht in der Lage sind, etwas zu verändern, dass wir nichts tun können. Welche Motive, Strategien und Erwartungen würde das mit sich bringen? Ich glaube tatsächlich, nur mit dieser Grundannahme können wir echte, klare und wirksame Strategien entwickeln, um in dieser Welt etwas zu tun. Nur so haben wir das klare Motiv, das nicht durch Ego und Machtphantasien verunreinigt ist. Warum soll ich denn dann überhaupt noch irgendetwas tun, wenn es eh nichts bringt?, wird sich nun manch einer fragen.

 

Was tun?

 

Es geht jedoch in der Tat um eine Handlung, die ohne Bedingungen und ohne Erwartungen ausgeführt wird. Eine Handlung um der Handlung willen, ohne an die Ergebnisse und den Gewinn zu denken. Das bedeutet, die Kontrolle aufzugeben, und das ist das Schlimmste, was unserem Ego passieren kann. Jede intentionale Haltung verfälscht die Handlung und macht sie zu einem egoistischen, perspektischen Tun, wenn auch vielleicht gut gemeint. So erzielen wir immer nur Teilerfolge, die umgehend von ihrem Gegenteil wieder entkräftet werden. Die echte Handlung fügt sich ein in den göttlichen Plan, sie übersteigt unsere menschlichen Kalkulationen.

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Konkretes und Allgemeines

Mein lieber Freund und Kollege Aman, der Herausgeber der SEIN, diskutiert mit mir oft über die aktuelle Situation der Atomkraft. Wir arbeiten im gleichen Büro, und so haben wir öfters die Gelegenheit.

Aman widmet sich hingebungsvoll den konkreten Fragen und sucht nach praktischen Ansätzen, um eine Energiewende in der Gesellschaft voranzubringen. Er weiß alles über das Salzbergwerk Asse, in dem Plutonium eingelagert ist, und er hat minutiös recherchiert, was Altbundeskanzler Helmut Schmidt in den Siebzigern getan hat, um die Atomenergie politisch zu etablieren.

Ich selbst stehe da manchmal beschämt daneben, denn ich kann mich für diese konkreten politischen Fakten wenig erwärmen und kenne mich demzufolge nicht aus. Vielleicht geht es manchen von Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, ähnlich? Die Tagespolitik geht irgendwie an mir vorbei.

 

banksy

Ich frage mich, was die Menschen überhaupt dazu bringt, so gewalttätig mit der Schöpfung umzugehen. Warum besteht wo wenig Empathie für die Natur und für andere Menschen? Was treibt einen Politiker dazu, über Leichen zu gehen? Warum kann er diesen Schmerz nicht fühlen? Warum ist ihm oder ihr diese Zerstörung egal? Oder sucht er sie etwa?

Hier kommen wir zum Allgemeinen im Konkreten. Was treibt uns Menschen an? Ich glaube, wir beziehen unsere Energie und unsere Motivation nicht aus dem Denken oder der Vernunft, sondern aus dem Gefühl. Der Wunsch nach Zerstörung kommt aus dem Unbewussten. Er ist die Antwort auf selbst erlittene Zerstörung, die nicht geheilt wurde – verdrängter Schmerz, Angst und Wut aufgrund von seelischen Verletzungen, sexuellem Missbrauch, körperlichen Misshandlungen. Schon die Kinder werden damit traktiert.

Um die Welt und uns selbst zum Guten zu verändern, braucht es die ganze Bandbreite: die Vorarbeit in den emotio-spirituellen Grundlagen und die Nacharbeit in den geschaffenen Fakten. So kommen wir vielleicht in den magischen Moment des Jetzt, wo eine befreite Handlung – spontan und gefühlt – möglich ist.

 

 

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